
Bei einem Online Vortrag auf der „hunting4future“ Plattform ging Prof. Dr. Thomas Knoke Anfang Jänner 2026 vom Institut für Waldinventur und nachhaltige Nutzung bei der TU-München auf die finanziellen Auswirkungen von Wildverbissschäden ein. Und diese sind exorbitant hoch. Sogar höher, wie die prognostizierten Schäden durch den Klimawandel.
Zuerst erläuterte Prof. Knoke ganz sachlich die möglichen Einflüsse des Wildverbisses auf die Waldbewirtschaftung:
• Wildverbiss beeinflusst den Höhenzuwachs junger Pflanzen stark
• Wildverbiss führt zu Entmischung
• Wildverbiss kann jagdlich gemindert werden
• Waldbauliche Maßnahmen allein kompensieren hohen Wildeinfluss nicht
Die Chancengleichheit sind bei den Baumarten in der Verbisshäufigkeit sehr unterschiedlich. Nach dem forstlichen Gutachten des Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wird die Weißtanne 6 mal so häufig verbissen wie die Fichte, Eiche sogar 13 mal und Edellaubhölzer wie der Bergahorn 12 mal häufiger. Daraus ergeben sich Konsequenzen mit einer sehr hohen ökonomischen Relevanz. Wenn auf Schutzmaßnahmen verzichtet wird ist die Naturverjüngung eventuell gar nicht möglich (Keimlingsverbiss). Es kommt zur Entmischung mit ebenfalls sehr hohen Konsequenzen. Es gibt Zuwachsverluste und Qualitätseinbußen. Wenn Schutzmaßnahmen wie Zäunungen gesetzt werden, fallen teure Kosten an. Außerdem ist es schwer, Zäunungen wildfrei zu halten und es kann nur eine begrenzte Zeit ein Schutz geboten werden (nicht gegen Schälung). Außerdem ist die Maßnahme in der Naturlandschaft nicht besonders schön und der Lebensraum des Wildes wird verkleinert.
Der Wildverbiss reduziert das Höhenwachstum erheblich. Es ist zwar je nach Revier und Standortsverhältnissen etwas unterschiedlich, aber ab etwa einem Abschuss von 10 Stück Rehwild auf 100 Hektar nimmt die Verbissintensität deutlich ab.
Die Kosten des Wildverbisses im Vergleich zu Kosten des Klimawandels
In Fichtenbeständen werden im Klimawandel Schäden ungefähr in der Höhe von 10.000.-Euro pro Hektar erwartet (150.- Euro /ha und Jahr). Eine ausbleibende Naturverjüngung und Entmischung kann etwa 9.000 Euro pro Hektar oder 135 Euro pro Hektar und Jahr kosten. Die verbissbedingte nötige Pflanzung plus Zäunung kostet um die 14.000.- Euro pro Hektar oder 210.- Euro pro Hektar und Jahr. Dieser Vergleich soll die immens hohe Dimension der Wildschadenproblematik aufzeigen, die mit nicht an den Lebensraum angepassten Wildbeständen verursacht werden können.
Schlussfolgerungen
Die Schlussfolgerungen von Prof Knocke: Auch wenn man den Waldbesitzenden die aufgezeigten Schäden ökonomisch kompensieren würde, was ja tatsächlich nicht gemacht wird, könnte man die damit verlorenen gegangenen resilienten und resistenten Waldstrukturen nicht ersetzen. Der Vorbeugung der Schäden gebührt daher Vorrang, z.B. durch angepasste Bejagung. Die Waldbesitzenden, Förster und Försterinnen sollten ihre Waldziele klarer definieren, um Zielkonflikte zu identifizieren und auch beziffern zu können (nach Hans von der Glotz, Obmann der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft, Hinweis Projekt wild-wald-innovationen.de). Ein resilienter Wald benötigt Verjüngung in variablen Dichten auf mehr oder weniger der ganzen Waldfläche. Mit temporären Maßnahmen wie Zäunen haben wir mal abgesehen von den eklatant hohen Kosten keine Chance.
Info Hunting4future:
Hunting4future eine Plattform, die von Organisationen aus dem Bereich Wald, Jagd und Naturschutz unterstützt wird; Hauptziel ist eine Jagdbewirtschaftung, die sich an ökologischen Gesichtspunkten ausrichtet. Die Wilddichten müssen sich am Lebensraum orientieren. Es wird eine Homepage betrieben (www.hunting4future.org) und immer wieder werden Vorträge und Veranstaltungen oft auch online angeboten.
Thomas Ölz, 27.01.2026




