Wildmanagement mit Fokus auf die Erfordernisse der Zeit

So titelt die Pressemitteilung des Landes Vorarlberg zum Auftakt zur Weiterentwicklung der Wildökologischen Raumplanung, die Sie im Anschluss finden.

Die Erfordernisse unserer Zeit haben sich verschärft, der Klimawandel (was für ein harmloses Wort für das, was wir gerade erleben!) lässt das „Waldsterben“ der 80-er Jahre verblassen. Die Rolle unseres Waldes ist zentraler denn je: spätestens …

… wenn es schüttet wie aus Kübeln, wenn es um Muren, Lawinen und Felsstürze geht, wird uns bewusst, warum wir den Wald als Schutz brauchen. Beim Spaziergang, der Wanderung oder Tour genießen wir unseren Wald in vollen Zügen. So wie die vielen Touristen, die einen starken Teil unserer Wirtschaftsleistung ausmachen. Da „sehen“ wir den Wald noch. Doch wer denkt schon an den Wald, wenn wir ein neues Möbelstück kaufen? Wenn wir tief Luft holen oder den Wasserhahn aufmachen, das Wasser fließt und wir dieses Wasser einfach trinken können? Wenn unser riesiger Wasserspeicher Waldboden still und leise seine Funktion erfüllt?

Wo stehen wir?

Die Bedeutung klimafitter resilienter stabiler Waldbestände nimmt laufend zu. Wenn zunehmende Extremereignisse nicht abgeschwächt werden können, können die Schäden enorm werden, können Menschenleben nicht nur in Gefahr sein. Bereits bei der Wildökologischen Raumplanung 1988 wurde deutlich, dass steigende Wildbestände problematisch sind: seit 1988 haben wir trotzdem etwa eine Verdoppelung der Rotwildbestände, seit den 50er Jahren sprechen die Experten von der Universität für Bodenkultur sogar von einer Verdreifachung. Und das mit zunehmender Bevölkerung und Freizeit- und Tourismusnutzung und damit kleiner werdenden Lebensräumen. Pro 100 Hektar Kernzone haben wir heute einen Bestand von 6 bis 7 Stück. Als „waldverträglich“ gelten 2 Stück pro 100 Hektar und „natürlich“ wären rund ein Stück pro 100 Hektar. Erst wenn wir an die zumindest waldverträglichen Zahlen herankommen und sie dann auch konsequent halten, können Überwinterung, Korridore, Zählmethoden oder Schadtoleranzen in den Fokus genommen werden.

Wo wollen wir hin?

Die Wildökologische Raumplanung soll nun auf den Prüfstand gestellt und weiterentwickelt werden. Das gilt für die heutigen Umsetzungs- und Begleitmaßnahmen ebenso wie für die Rahmenbedingungen des Gesamtsystems. Dazu wird vieles in Frage gestellt, (auch heiß) diskutiert und überschlafen werden müssen. Wir begrüßen diesen Prozess, sehen ihn als große Chance und hoffen auf konstruktive, innovative und offene Kooperation aller Interessensgruppen. Denn wir alle müssen denen eine Stimme geben, die nicht am Tisch sitzen können: dem Wild und dem Wald. Und damit letztlich unserer Zukunft.

Sylvia Rickmann, Vorarlberger Waldverein

Pressemitteilung des Landes Vorarlberg zur Auftaktveranstaltung:

Hohenems (VLK) – Die Wildökologische Raumplanung (WÖRP), ein zentrales Instrument im Vorarlberger Wildmanagement, wird unter der Leitung der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) in einem zweijährigen Prozess evaluiert und weiterentwickelt. Ziel ist es, das Wildmanagement an aktuelle Gegebenheiten und Entwicklungen – das sich ändernde Klima, das Auftreten von TBC sowie großer Beutegreifer wie Wolf und Bär, rasante technologisch Entwicklungen – anzupassen. Die WÖRP hat auf die verfügbaren Lebensräume sowie auf die Bedürfnisse von Natur und Mensch abgestimmte Rotwildbestände zum Ziel. „Die wildökologische und jagdstrategische Ausrichtung des Landes muss sich an veränderte Gegebenheiten anpassen und zukunftstauglich weiterentwickeln. Deshalb starten wir die Evaluierung der Wildökologischen Raumplanung gemeinsam mit Wissenschaft und Praxis“, so Landesrat Christian Gantner.

Die WÖRP wurde ursprünglich in den 1980er-Jahren als Reaktion auf das damals eintretende „Waldsterben“ entwickelt. Die konsequente Umsetzung wurde zu einer Erfolgsgeschichte, führte zur Entschärfung von Interessenkonflikten und ermöglichte die Linderung der Probleme. Die letzte Evaluierung der WÖRP geschah in den Jahren 2003 bis 2005.

Bei der Auftaktveranstaltung am Montag, 29. Juni, im Bäuerlichen Schul- und Bildungszentrum (BSBZ) Landwirtschaftsschulen Vorarlberg unterstrich Landesrat Gantner die Bedeutung eines wissenschaftlich fundierten Wildmanagements, das alle betroffenen Interessengruppen – Jagd, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus und Veterinärwesen – einbindet: „Eine Wildökologische Raumplanung, die auch künftig den Herausforderungen gerecht werden soll, lebt davon, die vielfältigen Bedürfnisse aller Beteiligten zu berücksichtigen. So entsteht eine gemeinsam erarbeitete nachhaltige Lösung, die dann auch von allen Beteiligten getragen wird.“

Zum Start des Evaluierungsprozesses fanden die anwesenden Fachleute, PraktikerInnen, InteressenvertreterInnen und politischen VertreterInnen in Fachvorträgen und Workshops die Gelegenheit, die Zielsetzungen und die dafür notwendigen Veränderungen zu diskutieren. Die vielschichtigen Einblicke in die Zustände der Vorarlberger Naturräume bieten eine wichtige Grundlage für die Erarbeitung wissenschaftlicher Empfehlungen durch die Universität für Bodenkultur Wien.

Redaktion: Gerhard Wirth
Fotos: Land Vorarlberg