
Keine gute Nachrichten gibt es in der Prognose der Störungen für unseren Wald. Es werden mehr und sie werden auch noch stärker. Am dritten Waldsymposium des Vorarlberger Waldvereines am 14.11.2025 in Bregenz Fluh wurde über notwendige Gegenstrategien im Klimawandel informiert und diskutiert.
Der Klimawandel setzt dem Wald zu und macht Probleme, die nicht nur für die Schutzwirkung, sondern alle Waldwirkungen stark betreffen können. Große Sach- und Infrastrukturschäden, aber auch Verletzte und Todesfälle, wie wir es oft in Nachrichten von anderen Regionen sehen, drohen auch bei uns.
Zunahme und extremer!
Doktorand Johannes Sonnweber Mohr von der Technischen Universität München, Lehrstuhl Ökosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften, hat diese schlechten Nachricht über die zunehmenden Störungen bei Windwürfen, Käferkalamitäten und Wetterextreme für die Waldbesitzer: innen in Vorarlberg in seinem Referat bearbeitet. Die Kosten pro Hektar sind unglaublich hoch (siehe Folie im Referat).
Aktiv ohne Bürokratie
„Mit einer aktiven Waldbewirtschaftung mit Struktur und möglichst breiter Baumartenmischung müssen wir gegensteuern“, sieht Obmann Klaus Schwarz aus Hittisau die wichtigste Gegenmaßnahme. Unnötige Bürokratien, wie die Bewilligungspflicht für Gastbaumarten im Naturschutzgesetz gehören dabei dringend geändert.
Viel zu hohe Jagdwildbestände
Eine zentrale Ursache, dass resiliente und stabile Mischbestände nicht aufkommen können, sind die viel zu hohen Jagdwildbestände. Auch die in Vorarlberg grassierende Tierseuche TBC zeigt, dass die Wildbestände viel zu hoch sind. Der Vorarlberger Waldverein fordert hier eine Systemumstellung weg von einer Trophäenausrichtung zu einer ökologischen ausgerichteten Jagd mit dem Lebensraum angepassten Wilddichten.
Warum verlangen wir die Entbürokratisierung im Naturschutz?
Wir setzen auf heimische Baumarten, wollen aber zusätzlich auch passenden Gastbaumarten einsetzten. Die veralteten bürokratischen Bewilligungspflichten nach dem Naturschutzgesetz gehören hier dringend und sofort entrümpelt. So sind die Gastbaumartenoder auch die Waldbewirtschaftung im Uferschutz bereits ausreichend im Österreichischen Forstgesetz geregelt. Außerdem haben die Vorarlberger Waldbesitzer:innen mit der sehr naturnahen Waldbewirtschaftung im internationalen Vergleich vielfach bewiesen, dass sie verantwortungsbewusst über Generationen handeln können.
Warum die Forderung: Keine „Hirschzucht“ und weg von einer Trophäenausrichtung?
Der Vorarlberger Waldverein fordert primär im Sinne einer klimafitten Waldentwicklung aber natürlich auch wegen der Tiergesundheit (TBC-Seuche) und der betroffenen Landwirte eine komplette Umstellung der Rotwildbewirtschaftung weg von einer „Hirschzucht“ und Trophäenausrichtung hin zu einer ökologischen Rotwildbewirtschaftung mit dem Lebensraum angepassten Wildbeständen. Beim Land Vorarlberg hat der Vorarlberger Waldverein dazu einen 10-Punkte-Katalog für eine Novellierung des Jagdgesetzes eingebracht.
Was zählt dazu (keine vollzählige Aufzählung)?
- Rotwildfütterungen nur noch ohne Kraftfutter und nur noch mit Bewilligung von Stückzahlen unter maximal 80 Stück, u.a. um TBC-Hotspots zu vermeiden.
- Keine verpflichtende Ausstellung der Hirschgeweihe mehr (Hegeschauen), weil sie nach wie vor eine Trophäenausrichtung der Jagdbewirtschaftung fördert.
- Dafür Neuregelung der Abschusskontrolle mit zeitgemäßen Methoden bzw. digitalen Tools, die dann auch eine Beurteilung der Wildpopulationen erlauben. Auf der Basis von solchen Wildtierberichten können dann jagdgesetzliche aber auch jagdwirtschaftliche Maßnahmen abgeleitet werden.

ist zentral wichtig. Im Bild Doktorand Johannes Sonnweber Mohr von der
Technischen Universität München, Obmann des Waldvereins Klaus Schwarz und
der ehemalige Wildbachchef Andreas Reiterer vor einer älteren Gastbaumart, einer
Douglasie im Flächenwirtschaftlichen Schutzwaldprojekt Nollen in Bregenz.
Zusammengestellt Thomas Ölz, 20.11.2025
Vortragsunterlagen vom Referenten Johannes Sonnweber Mohr, Technische Universität München, Lehrstuhl Ökosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften:




