
Ein kleiner Kreis hochmotivierter und -interessierter Frauen zwischen Mittelschul- und Pensionsalter traf sich Samstagnachmittag zum Waldspaziergang für Frauen mit dem Thema:
„Wald und Wild – (k)ein Widerspruch“
Am Abend war klar: das Thema ist hochaktuell, das Ergebnis höchst erfreulich: Die Klammer kann getrost weggelassen werden!
Die Jägerin Gaby Kraft und der pensionierte Waldaufseher Helmut Gmeiner haben eindrücklich gezeigt, wie in Möggers Mensch, Wald und Wild zusammenspielen und sich gegenseitig den Schutz- und Lebensraum sichern.
Wie ist das möglich?
Basis ist die Erkenntnis, dass die Jagd für den Wald genauso elementar wichtig ist wie die Waldbewirtschaftung selbst. Wenn die Jagd funktioniert, dann funktioniert auch die Naturverjüngung. Und die ist wiederum Basis für das Aufkommen von Artenvielfalt und gut durchmischter Alters- und Höhenstruktur. Wem das bekannt vorkommt: ja, das sind Charakteristika des Plenterwaldes. Mit ausreichend Raubwild würde sich der Wildbestand quasi „natürlich“ regulieren. Aufgrund der fehlenden großen Beutegreifer wie Bär oder Wolf muss aber der Mensch deren Funktion übernehmen und aktiv eingreifen.

In Möggers ist die Entscheidung der Grundeigentümer:innen vor über 30 Jahren gefallen, sich in Form einer Jagdgenossenschaft mit der Vergabe von „Wildbezirken“, dzt. 25 „Begehungsscheinen“, zu organisieren und die so vorhandene Eigenjagd nicht zu verpachten. „Wir verdienen damit mehr“ ist die klare Aussage dazu.
Wie ist das zu verstehen?
Der Erlös aus einem gesunden, vitalen Plenterwald bringt deutlich mehr ein, als eine für dieses Gebiet (kein Rotwild) anzunehmende Jagdpacht.
Vier dieser Begehungsscheine sind an Frauen vergeben. Zwei davon sind sehr aktiv. Eine davon ist Gaby Kraft.
Wie wird man zur Jägerin?
Aus keiner Jägerfamilie stammend war es vor allem tiefe Verbundenheit mit der Natur, das Interesse an den natürlichen Zusammenhängen und lernen wollen, aber auch die Hilflosigkeit als Waldeigentümerin nicht zu wissen, was Jäger im eigenen Wald dürfen und müssen und was nicht, was sie dazu angespornt hat, 2015 die Jagdprüfung abzulegen. Gepackt hat sie die Jagd selbst erst mit dem intensiven eigenen Erleben danach. Heute reguliert sie in Möggers in ihrem Begehungsgebiet die deutliche Überpopulation der Rehe, Füchse und Dachse und trägt damit nicht nur zur Wald- sondern auch zur Wild- und Nutztiergesundheit im Umfeld bei. Für sie ist es selbstverständlich, alle nachfolgenden Schritte nach dem Schuss mit höchstem Respekt vor dem Tier selbst zu erledigen und das jeweilige Tier entsprechend zu verwerten. Mit allen – auch gesellschaftlichen – Konsequenzen.
Dem Waldlehrpfad in umgekehrter Richtung folgend gab es viele Anknüpfungspunkte zum früheren und heutigen Waldbau, zur Köhlerei und Fichtenrinden-unterstützten Gerberei, zur Jagd im Plenterwald, also im dafür sehr herausfordernden Gelände. Die Fortpflanzung der Füchse, das Auftauchen von Waschbär und Biber, Vergleiche des unterschiedlichen Verhaltens von Luchs und Wolf war ebenso Thema wie die Kitzrettung mit Hilfe von Drohnen auf den angrenzenden Wiesen.








Waldbilder wurden analysiert, Bewirtschaftungsphilosophien und -voraussetzungen vom Leiblachtal denen im Montafon gegenübergestellt, Zusammenhänge unter der Erde beleuchtet. Und Steintürmchen gebaut. Alles in lockerer, entspannter Atmosphäre. Den Abschluss bildete ein gemütlicher Waldhock am Platz der jagdlichen Nacharbeiten. Zum vergnügten gemeinsamen Lied der Vogelhochzeit kam aus dem von der Abendsonne durchdrungenen Wald die schallende „zweite“ Stimme einer Amsel …








Einige Zitate des Nachmittags:
„Dauerwaldbewirtschaftung braucht angepassten Wildbestand.“
„Seit Möggers dieses Jagdsystem hat, wurde keine Tanne oder Fichte nachgesetzt.“
„Nie einen Baum (v.a. Zirbe) vor dem Pflanzen wässern – dann sind die Mykorrhiza-Pilze weg.“
„Die vorhandenen Fütterungen kann man innerhalb der nächsten 5 Jahre auslaufen lassen. Das Nahrungsangebot ist ausreichend.“
„Wenn die Eibe aufkommt, hat die Jagd gute Arbeit geleistet.“ Und die Eibe kommt auf:


„Früher sind die Rehe in der Dämmerung (aus dem Wald auf die angrenzenden Wiesen) ausgetreten. Heute kommen sie erst im Dunkeln oder bleiben im Wald. Grund genug, jetzt einen Klettersitz einzusetzen.“ D.h. die Jagd verlagert sich vom Waldrand in den Wald, nicht nur der Abtransport wird schwieriger.
„Vor 35 Jahren haben in Möggers ALLE Grundeigentümer:innen (für dieses System der Bejagung) unterschrieben. Damit wurde das Geld herausgenommen. Dies unterstützt ein sachliches, freundschaftliches Miteinander.“
„Möggers erwartet, dass die Jagd intensiv betrieben wird – mit glattem Schuss, ohne leiden zu lassen.“
„Auf 1100 ha schießen 30 Jäger:innen 100-120 Rehe pro Jahr. Und es werden nie weniger!“
Quelle Text und Fotos: Sylvia Rickmann, Vorarlberger Waldverein






