
Im Rahmen eines Webinars der Vorarlberger Jägerschaft am Dienstag, den 27. Jänner 2026, informierten führende Expertinnen und Experten über die Tuberkulose (TBC) bei Nutz- und Wildtieren. Ziel der Veranstaltung war es, den aktuellen Wissensstand darzustellen und die Zusammenhänge zwischen Rotwild, Rind und Krankheitsgeschehen transparent aufzuzeigen.
Als Referierende traten Dr. Ulrich Herzog, Sektionschef im Bundesministerium für Verbrauchergesundheit und Veterinärwesen, Prof. Dr. Carola Sauter-Louis vom Institut für Epidemiologie sowie Dr. med. vet. Stefanie Barth auf.
Tuberkulose – unbemerkte Weiterverbreitung
Dr. med. vet. Stefanie Barth machte deutlich, dass Tuberkulose keineswegs nur geschwächte Tiere betrifft. Auch immungesunde Tiere können sich infizieren. Charakteristisch sei zudem ein chronischer Krankheitsverlauf, bei dem infizierte Tiere über lange Zeit unauffällig bleiben, jedoch kontinuierlich Erreger ausscheiden können. Gerade bei Wildtieren erschwert dies die frühzeitige Erkennung und erhöht das Risiko einer unbemerkten Weiterverbreitung.
Infektionsweg vom Wildtier zum Nutztier
Prof. Dr. Carola Sauter-Louis erläuterte die epidemiologischen Zusammenhänge und zeigte den Infektionsweg von Wildtier auf Nutztier auf. Insbesondere in Regionen mit gemeinsamer Nutzung von Lebensräumen komme es zu indirekten Kontakten, über die eine Übertragung möglich sei. Dabei spielen kontaminierte Flächen, Tränken oder Futterstellen eine entscheidende Rolle.
Klarer Übertragungsweg vom Rotwild auf das Rind
Dr. Ulrich Herzog stellte klar, dass mittlerweile ein eindeutiger Infektionsweg vom Rotwild auf das Rind belegt ist. Neben den bereits bestehenden Maßnahmen zeigte er auf, dass die Infektionen vor allem im Sommer auf den Alpen stattfinden. Dort kommt es durch indirekten Kontakt zwischen Rotwild und Rindern zu einer Übertragung der Erreger.
Herzog betonte zudem, dass die Bekämpfung der Tuberkulose nicht allein eine Frage technischer Maßnahmen sei. Vielmehr seien Akzeptanz und konsequente Umsetzung auch einschneidender Maßnahmen entscheidende Schlüsselfaktoren für den langfristigen Erfolg.
Reduktion der Streuer als zentrale Maßnahme
Als höchste Priorität nannte Dr. Herzog die langfristige Reduktion der sogenannten Streuer sowie ein proaktives Handeln aller Beteiligten.
Fazit
Das Webinar zeigte eindrucksvoll, dass Tuberkulose bei Wild- und Nutztieren ein komplexes Problem mit klaren wissenschaftlichen Erkenntnissen ist. Der nachgewiesene Infektionsweg vom Rotwild auf das Rind erfordert entschlossenes Handeln. Nur durch Akzeptanz notwendiger Maßnahmen, konsequentes Management der Wildbestände und enge Zusammenarbeit zwischen Jagd, Landwirtschaft und Behörden kann die Tiergesundheit langfristig gesichert werden.
Die Vorträge wurden aufgezeichnet und können über diesen Link aufgerufen werden.
Waldverein fordert drastische Reduktion der völlig unnatürlich hohen Wilddichten
Bei einem jährlichen Abschuss von etwa 3.000 Stück haben wir in Vorarlberg einen Rotwildbestand von über 10.000 Stück. Auf die Rotwildkernzone mit 156.000 ha umgerechnet sind das 6 bis 7 Stück pro 100 Hektar. Als waldverträglich gelten Stückzahlen unter 2 Stück pro 100 Hektar. Also etwa 3.000 Stück in ganz Vorarlberg. Wir brauchen also eine drastische Reduzierung der Rotwildbestände.
Damit würde ein wesentlicher Beitrag zur Tiergesundheit und damit zur Sicherung der Alpwirtschaft geleistet. Aber auch die wichtige natürliche Mischwaldverjüngung in Klimawandelzeiten in unseren Schutzwäldern kann damit wieder funktionieren.
Bild oben: An Fütterungen kommt es zu Weiterverbreitung durch Ausscheidungen von infizierten Tieren (Foto Th Ölz).
Zusammenstellung Omar Yilmaz 29.01.2026




