
Der Klimawandel setzt unserem Wald stark zu. Für stabile und resiliente Wälder wird auf eine möglichst breite Baumartenmischung gesetzt. Dabei können neben den heimischen Baumarten auch ein paar „Gastbaumarten“ eine Rolle in der Ergänzung spielen. In einer Vortragsveranstaltung der Forstabteilung des Landes wurde auf die Chancen und die Risken von Gastbaumarten eingegangen.
Dr. Silvio Schüler vom Bundesamt für Wald, der Projektleiter der österreichweiten Wald-Wandel-Studie 2019-2023 ist, gab einen Einblick in die teilweise kontrovers diskutierte Thematik. Sehr interessant war der erdgeschichtliche Rückblick zu den Baumartengruppen vor den Eiszeiten (vor 3 Millionen Jahre). Zu dieser Zeit waren in Europa mit 130 Baumarten um einiges höher als in Nordamerika mit 60 bis 75 Baumarten. Mit den Eiszeiten haben in Europa davon nur 38 oder 29 Prozent überlebt. Im östlichen Nordamerika haben dagegen 82% oder 49 Baumartengruppen überlebt. Der dramatische Rückgang der Baumartenvielfalt hatte mit den Ansprüchen der Baumarten und den sich ändernden Umwelten zu tun. Die Baumarten konnten sich nicht oder zu wenig schnell anpassen und in mögliche geeignete Gebiete migrieren (=wandern).
Heute haben wir ebenfalls eine sehr starke und vor allem schnelle Klimaänderung, die die Anpassungsfähigkeit und auch das „Wandern“ der Baumarten völlig überfordert. Mit dem Fachbegriff „Assisted Migration“ wird die Wanderung genetischer Herkünfte oder auch einer Baumart selbst unterstützt.
Derzeit fünf Gastbaumarten geprüft und anwendbar
Die Einbringung von Gastbaumarten können eine wichtige Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel spielen. Gastbaumarten werden als Chance gesehen, die Stabilität und Resilienz der Wälder gegen Trockenheit und Schädlingsbefall zu erhöhen. Die Holzproduktion kann gesichert werden und neue ökologische Nischen können entstehen. Dr. Schüler betont aber auch die Notwendigkeit der Überprüfung des invasiven Potentials, um die heimische Biodiversität nicht zu gefährden. Im Rahmen der „Waldwandelstudie“ wurden Baumarten in dieser Hinsicht geprüft. Von den in Frage kommenden Baumarten werden den Nadelarten Douglasie, Küstentanne, Riesenlebensbaum (Thuja) und den Laubarten Schwarznuss und Roteiche gute Chancen auf Standorten in Vorarlberg mit keinem oder einem vernachlässigbarem invasivem Verhalten zugesprochen. Je nach Klimamodell ergeben sich etwas unterschiedliche Empfehlungen je nach Höhenlage. Grundsätzlich ist sehr wichtig, dass nicht allein auf Gastbaumarten, sondern auf eine Mischung aus klimafitten heimischen Arten (z. B. Traubeneiche, Weißtanne) und geeigneten Gastbaumarten gesetzt wird.
Als Entscheidungshilfe steht derzeit eine Baumartenampel für die verschiedenen Wuchsgebiete in Österreich zur Verfügung. In Zukunft soll eine dynamische Waldkartierung für alle Standorte und Höhenlagen Empfehlungen in Vorarlberg liefern.
Thomas Ölz, 30.03.2026
Link Zusammenfassung Projekt Klimawandel






